Jahrestagung
Schwerin
11.-13.05.2018

Spaltung

ist auch keine Lösung!

Wie kann die Gestalttherapie auf die gesellschaftlichen Herausforderungen reagieren?

Programm

Das Tagungsprogramm als PDF-Dokument zum Download

Freitag

"Dialog beendet Spaltung - Musik kennt keine Spaltung"
Vom Trommeldialog zum Alleins-Sein-Rhythmus

Moderation:
Andreas Blase
Heilpr. Psychoth., seit 14.03.1996 Gestalttherapeut DVG, Musik-Gestalttherapeut, Hypnotherapeut, zertif. Musiktherapeut DMTG 2013, WMFT-Mitglied, Supervisor - Lehrtherapeut - Ausbilder HIGW & HfMT - Hochschule für Musik & Theater Hamburg ...
www.klang-centum.de

Thomas Henningsen
Fachbereichskoordinator für Schlaginstrumente an der staatlichen Musikschule Kiel und Musiktherapeut - Gestalt-Musiktherapie HIGW

Vortragende(r): DVG

Welche Aussagen macht die Gestalttherapie in ihren theoretischen Grundlagen bezüglich ihrer gesellschaftspolitischen Ausrichtung?

Lässt sich aus den grundlegenden Elementen des Gestalt-Ansatzes eine notwendige Forderung nach gesellschaftspolitischer Haltung oder gar Einmischung ableiten?

Welche praktischen Auswirkungen auf Interventionen und die therapeutische Beziehung ergeben sich aus dem emanzipatorischen Therapieziel eines selbstbestimmten Lebens?

Der Vortrag sucht Antworten auf diese Fragen.

Vortragende(r): Katharina Stahlmann

Ist es eine materielle oder eine seelische Armut, die wir meinen. Leben wir in einem mechanisierten Kollektiv und sind aus der sinnbildenden Gemeinschaft herausgefallen? Im materiellen Reichtum verlieren wir unsere Bezugspunkte und treiben als Nussschale auf dem Ozean. Es verschwindet der Mensch hinter der Ökonomie, wird austauschbarund zu einem Mittel. Der inneren Armut folgt eine Äußere. Die Antworten liegen jenseits des Menschen in der Verantwortung, sich selbst zum Objekt des Bewusstseins zu machen, um sinnorientierte Lösungen zu erkennen. Ein philosophisch-psychologischer Beitrag.

Vortragende(r): Dr. Erich Schechner

Zunächst wird ein kurzer Überblick gegeben über Widerstand und Solidarität von Menschen, die gegen den NS-Terror gekämpft haben und die wir als Zeitzeugen in Dachau noch persönlich haben kennenlernen können.

Sodann folgen Berichte über einschlägige Erfahrungen in unseren Berufsfeldern: Psychotherapie; Montessori-Pädagogik an Schulen.

Das Hauptgewicht des Vortrags liegt auf Schlussfolgerungen für die berufliche Praxis und mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Solidarität fordert sich leicht. Aber sie stößt oft auf ungeahnte Spaltungstendenzen, äußere und innere.

Vortragende(r): Dr. Jürgen Müller-Hohagen, Ingeborg Müller-Hohagen

Nachdem - sicherlich aus gutem Grund - die therapeutische Ethik im Wesentlichen mit der therapeutischen Neutralität in Verbindung gebracht wird (vgl. der Artikel von Rolf Heinzmann im Forum 64), möchte ich gestalttherapeutische Ethik nicht darauf reduzieren, sondern als eine Haltung charakterisieren, die im Sinne der Buberschen Begegnungsphilosophie, dem kategorischen Imperativ von Kant und der autonomen Moral nach Piaget durch ein selbstverantwortliches und sozial bezogenes Abwägen allgemeiner moralischer Grundsätze gekennzeichnet ist. Aus dieser ethischen Haltung erwächst sozial verantwortliches Handeln, – Stellung Nehmen -, welches GestalttherapeutInnen nicht nur innerhalb des therapeutischen Settings, sondern auch in ihrem zivilgesellschaftlichen, sozialen und politischen Engagement zeigen

Vortragende(r): Dr. rer. soc. Albrecht Boeckh

Den Aspekt der Digitalisierung und die Folgen für die Kommunikation unter Menschen und deren gesellschaftlicher Implikationen möchte ich mit meinem Vortrag verdeutlichen. In der zunehmenden Verbreitung von Selfies und der florierenden Selbstoptimierungskultur sehe ich eine große Herausforderung für die Psyche des Menschen und die Gesellschaft. Es droht ein Verlust des Erlebens des „Hier und Jetzt“. Unter gestalttherapeutischem Blick möchte ich diese Herausforderung für den Menschen beschreiben, Fragen stellen und mögliche Antworten der Gestalttherapie formulieren.

Vortragende(r): Olaf Zielke

In ihrer Komplexität kann die Musik vielfältig auf das Leben eines Menschen Einfluss nehmen; sie bewirkt ein Erleben von Harmonie und intensivem Empfinden wie Freude, Trauer, etc....Sie fördert auch Erleben von Gemeinschaft, die Aufforderung zum aktiven solidarischen Tun bis hin zu zielgerichtetem aggressiven Handeln. Ich möchte anhand von (Hör-)beispielen exemplarisch die Wirkfaktoren der Musik beschreiben und auf ihre Einflussnahme hinsichtlich spaltenden sowie integrierenden Erlebens eingehen.

Vortragende(r): Dorothea Bünemann

Wir werden die EAGT -Europäische Vereinigung für Gestalttherapie und deren vielfältige Aktivitäten und Akteur*innen vorstellen.

Insbesondere das aktive „Komitee für Menschenrechte und soziale Verantwortlichkeit“ indem das Erbe von Perls und Goodman aufgegriffen wird.

Auf dem EAGT Kongress in Prag 2004 wurde das Komitee für Menschenrechte der EAGT gegründet. Seitdem gab es verschiedene Projekte mit der PBI (Peace Brigades International), mit verschiedenen NGOs in Griechenland zur Flüchtlingsarbeit und einige Workshops und Trainings in der Ukraine über die Arbeit mit Kriegstraumatisierung. Die EAGT wird dieses Engagement fortführen und ausweiten. Wir berichten und werden Vorschläge einbringen.

Vortragende(r): Mag. Beatrix Wimmer, Dr. Dieter Bongers

- Die Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie e.V. (DVG)
- Vorstand und Geschäftsführung
- Ethik- und Schlichtungskommission
- Ausbildungs- und Anerkennungskommission (AAK)
- Redaktion der Zeitschrift GESTALTTHERAPIE
- AG - Kinder und Jugendgestalt (KiJu's)
- AG - Klinische Theorie der Gestalttherapie
- AG - Entwicklungstheorie der Gestalttherapie
- AG - Zukunftswerkstatt Gestalt

Die Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie e.V. (DVG)
ist ein gemeinnütziger Verein und Dachverband für GestalttherapeutInnen und Gestaltinstitut in der Bundesrepublik Deutschland

Zweck der DVG ist die Förderung einer fachkundigen psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgung der Bevölkerung und des öffentlichen Gesundheitswesens auf den Grundlagen der Gestalttherapie, insbesondere auf den Gebieten der Psychotherapie, Prävention, Rehabilitation, Erziehung, Beratung und Supervision. Ferner vertritt die DVG die gesundheitspolitischen und beruflichen Interessen ihrer Mitglieder.
Die DVG bietet GestalttherapeutInnen aus dem breiten Spektrum gestalttherapeutischer Theorie und Praxis einen Ort zum Austausch und gemeinsamem Handeln. Als Dachverband liegt der Schwerpunkt ihrer Aufgaben auf der Verbreitung der Gestalttherapie in ihren verschiedenen Anwendungsbereichen. Außerdem unterstützt die DVG die wissenschaftliche Erforschung der Gestalttherapie sowie die Diskussion mit anderen psychotherapeutischen Verfahren.
Unser Anliegen in diesen 1 ½ Stunden ist es,
• Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, sich über die Aktivitäten des Verbandes zu informieren
• sie zu motivieren, sich im Verband zu engagieren.
• neuen Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, die Verbandsstruktur kennenzulernen.
• Tagungsteilnehmern, die keine DVG-Mitglieder sind, die Möglichkeit zu geben, die Verbandsstruktur und die Aktivitäten der DVG kennenzulernen.
• Institutsvertretern, die erwägen, einen Mitgliedsantrag zu stellen, Informationsmöglichkeiten im direkten Gespräch anzubieten.

Vorstand und Geschäftsführung
Wir laden Sie ein, die Vereinsleitung in ihrer Arbeit und ihrem Rollenverständnis kennenzulernen.
Der Vorstand besteht aus mindestens drei ordentlichen Mitgliedern des Vereins, die durch die Mitgliederversammlung gewählt werden.
Er hat - laut Satzung - insbesondere folgende Aufgaben:
a) Führung der Geschäfte des Vereins, Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben.
b) Einberufung und Leitung der regelmäßigen ordentlichen (1x pro Jahr) und gegebenenfalls außerordentlichen Mitgliederversammlungen.
c) Erstellung eines Jahresberichtes und Kassenberichtes.
d) Ausführen von Beschlüssen der Mitgliederversammlung
e) Aufnahme von Mitgliedern und Beschlussfassung über den Ausschluss von Mitgliedern.
Seit Anfang des Jahres haben wir eine Geschäftsführerin eingestellt, die für weite Teile der administrativen Arbeit verantwortlich ist und zur Weiterentwicklung des Verbandes beiträgt.
Wie sich die Arbeit in der Praxis darstellt? Zur Beantwortung dieser Frage stehen der Vorstand und die Geschäftsführung zur Verfügung und freuen sich über reges Interesse.

Ethik- und Schlichtungskommission
Die erste Aufgabe der Ethik- und Schlichtungskommission besteht darin, bei Konflikten zwischen PatientInnen und TherapeutInnen zu beraten, zu klären und nach Möglichkeit zu schlichten.
Weitere Aufgaben der Ethik- und Schlichtungskommission (ESK) sind laut § 12 der Satzung:
• die Beratung des Vorstandes und der Fachausschüsse, insbesondere bei Konflikten
• die Schlichtung von Streitfällen
• die Behandlung von Anfragen von Mitgliedern
• die Bearbeitung von Beschwerden
• die Befassung mit Grundsatzfragen bezüglich der Entwicklung und Zielsetzung des Vereins.
Die Ethik- und Schlichtungskommission (ESK) besteht aus 5 Personen, die für die Dauer von zwei Jahren durch die Mitgliederversammlung ernannt worden sind.

Ausbildungs- und Anerkennungskommission (AAK)
Wir laden Euch ein, sich mit den Aufgaben und den Arbeitsweisen der AAK vertraut zu machen.
Der Fachausschuss „AAK (Ausbildungs- und Anerkennungskommission)“ setzt sich aus den Institutsvertretern der Mitgliedsinstitute und bis zu 2 ordentlichen Mitgliedern - von der Mitgliederversammlung gewählt - zusammen.
Die Aufgaben der AAK sind u.a.
- die Entwicklung und Fortschreibung von Zulassungskriterien für die Aufnahme von Mitgliedern und Instituten
- die Bearbeitung von Aufnahmeanträgen auf ordentliche Mitgliedschaft, deren Antragsteller ihre Ausbildung bei einem Nicht-Mitgliedsinstitut absolviert haben.
Die AAK trifft sich in der Regel zweimal pro Jahr, um die benannten Aufgaben zu bearbeiten.

Redaktion der Zeitschrift GESTALTTHERAPIE – Forum für Gestaltperspektiven
Die GESTALTTHERAPIE wird seit 30 Jahren von der DVG als führende deutschsprachige Zeitschrift für Gestalttherapie zweimal pro Jahr herausgegeben.
Die ehrenamtliche Redaktion besteht derzeit aus fünf Mitgliedern:
- Josta Bernstädt,
- Dr. Albrecht Boeckh (verantwortlich),
- Rudolf Liedl (Österreich),
- Dr. Christiane Molkenbuhr und
- Rosemarie Wulf.
Demnächst wird noch ein Mitglied aus der Schweiz hinzukommen.
Wir bemühen uns als „Forum für Gestaltperspektiven“ zentrale Theoriediskussionen, Forschungsergebnisse und Berichte aus der gestalttherapeutischen Praxis abzubilden. Besonders gerne fördern wir auch junge, bzw. neue AutorInnen.

Arbeitsgemeinschaft - Kinder und Jugendgestalt (KiJu`s)
Der Appetit kommt beim Essen - (Francois Rebelais, 1494 - 1553)
Wir, die AG Kinder und Jugendgestalt (KiJu`s) möchten euch Interessierte einladen und neugierig machen auf unsere Arbeit im Verband. Dafür soll es auf der kommenden DVG Tagung 2018 in Schwerin ausreichend Gelegenheit geben.
Zur Zeit gibt es folgende Themenschwerpunkte in der AG:
- Erarbeitung einer Struktur für die Präsentation unserer integrativen Methodenvielfalt
- Auseinandersetzung über die spezielle politische, kulturelle und therapeutisch herausfordernde Arbeit mit jungen Geflohenen
- Wissenschaftliche Evaluation unserer Arbeit und die in den Ausbildungsinstituten
Aktive Mitglieder: Maja Plenge, Anni Baron, Kora Rogge und Hilke Ganzert

Arbeitsgemeinschaft - Klinische Theorie der Gestalttherapie
Die AG existiert seit 1995 und besteht derzeit aus 6 aktiven TeilnehmerInnen. Sie trifft sich zweimal im Jahr, jeweils für ein Wochenende, Gäste sind nach Absprache willkommen.
Ihr Zweck ist die Weiterentwicklung der Gestalttherapie in Theorie und Praxis unter klinischem Aspekt.
In ihr werden entsprechende Themen diskutiert sowie Arbeitsvorhaben und Veröffentlichungen vorgestellt, wie das 2015 erschienene Buch „Gestalttherapie“ von Albrecht Boeckh im Psychosozial-Verlag oder der 2017 erschienene Einführungsband „Gestalttherapie“ von Achim Votsmeier-Röhr und Rosemarie Wulf im Reinhardt-Verlag.

Arbeitsgemeinschaft - Entwicklungstheorie der Gestalttherapie
Ziel der AG ist die Ausarbeitung einer Entwicklungstheorie der Gestalttherapie. Wichtige entwicklungspsychologische Forschungsschwerpunkte wie z.B. Bindungstheorie scheinen empirische Belege für zentrale Grundannahmen gerade der Gestalttherapie zu liefern. Die AG soll ein offenes Forum für alle sein, die an der inneren entwicklungstheoretischen Weiterentwicklung der Gestalttherapie in diesem Themenbereich interessiert sind.
Die Treffen der AG finden gegenwärtig einmal jährlich an einem Samstag in verschiedenen Teilen Deutschlands statt.
Ansprechpartner:
Wolfgang Wirth
Luitpoldstr. 6
87724 Ottobeuren
Tel 08332-790097
praxis.wirth@t-online.de
http://www.edu.lmu.de/gsp/personen/wiss_ma/wirth/index.html

Arbeitsgemeinschaft - Zukunftswerkstatt Gestalt
Unser Motto:
Gestaltwissen für ein wirklich gutes Leben
Im 20-minütigen Rhythmus stellen wir unsere persönliche BeWEGtheit bei dieser Arbeit vor und laden ein zum Dialog.
Gemeinsam öffnen wir uns für Fragen. Wir geben Raum zur Entwicklung kreativer Impulse für NOT-wendiges, wirksames Handeln hin zu einer zukunftsfähigen Erdgesellschaft.
Wir setzen auf die Kraft kollektiver Selbstreflexion und besinnen uns auf die gesellschaftskritischen Wurzeln der Gestalt. Kreativität und künstlerisches Tun schätzen wir als transformative Kräfte.

Vortragende(r): DVG

Die Debatte um die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen und das damit verbundene Erstarken rechtsextremistischer Stimmen stellt für uns PsychotherapeutInnen eine besondere Herausforderung dar. Welche Einsichten haben wir für die gesellschaftliche Diskussion anzubieten und welche helfen tatsächlich weiter? Das emotionale Erbe der NS-Zeit macht die starke emotionale Aufladung des Themas verständlich: Es geht abermals um Schuld, Mitverantwortung und Trauma. Wie kann das gesellschaftliche „Metabolisieren“ dieser Konfliktfelder gefördert werden?

Vortragende(r): Vera Kattermann

Die Schwierigkeit zu verzichten, ist ein brisantes gesellschaftspolitisches Thema. Übersteigerte Aktivität und stetiger Konsum im Überfluss werden einerseits gesellschaftlich forciert, andererseits führt es zu individuellem Leid mit Suchtcharakter. Die unsäglichen Schäden einer Wachstumspolitik um jeden Preis können meist gut ausgeblendet werden. Jedoch gibt es zunehmend Klienten/ Patienten, die an exzessivem Verhalten und Lebensweisen festhalten, obwohl sie darunter stark leiden.

In diesem Workshop werde ich mit einigen Thesen Impulse setzen für einen Erfahrungsaustausch der Teilnehmer zu dieser Thematik.

Vortragende(r): Dipl.-Psych. Josta Bernstädt

Gemeinsam gehen wir Fragen der gesellschaftlichen Transformation an. Wir tauschen unsere bunten Erfahrungen aus, die wir in den verschiedenen gesellschaftlichen Feldern unseres privaten und auch beruflichen Mitgestaltens machen. Wir sammeln unsere Erkenntnisse und unsere Inspirationen: Wir öffnen die Sinne und geben dem Spür-Sinn schöpferischen Raum.

Vortragende(r): Gerda Schlosser-Doliwa

Dieser Workshop dient zur Vertiefung der Thematik des Vortrags. Anhand von Übungen und Reflexion werden wir uns zunächst mit unseren eigenen Anteilen und Bewertungen von Selbstbewusstheit auseinandersetzen. Auf welchen Ebenen gibt es Beeinträchtigungen an der flexiblen Figur- Hintergrund-Bildung. Was bedeutet dieses für den „guten“ Kontakt? Wie und womit erreichen wir unsere KlientInnen, die nach Selbstoptimierung streben? Was bieten wir ihnen an, damit die Gestalt – auf der Suche nach Selbstbewusstheit - geschlossen werden kann?

Vortrag und Workshop können unabhängig voneinander gebucht werden.

Vortragende(r): Olaf Zielke , Dagmar Lerch

Jeder Mensch kann Spaltungsprozesse an sich selbst beobachten. Wenn eine Situation für uns emotional schwierig wird, reduzieren wir unsere Gefühle; wir spalten sie ab. Dieser nützliche Selbsthilfeakt der Psyche kann in der freien Improvisation mit Instrumenten (z.B. Rhythmus-instrumenten) offenbar werden. Beispiel: „Ich war nicht laut/aggressiv, das liegt an dieser Trommel!“Im musikalischen, improvisierten Dialog erfahren wir unmittelbaren Ausdruck, Gefühle und resonanznahe Antworten, deren Wirkung wir uns intellektuell nicht entziehen können.

Vortragende(r): Andreas Blase

Unruhige Kinder – wie Sand im Getriebe unserer Familien, sozialen Einrichtungen, unserer Gesellschaft. Oft leben sie zwischen materieller Verwöhnung und emotionaler Deprivation, toleranter Freiheit und Trennungstrauma, Medienkonsum und Isolation – Dauerfeuer ’Hybrider Kontakte’. Das überfordert Kinder, verunsichert, verängstigt. Sie können sich schlechter regulieren – oft Ausdruck einer verzweifelten Bindungsbemühung. Theoretische Grundlagen kindlicher Selbstregulation und ressourcenorientierte Techniken zur Stärkung der Regulationskräfte des Kleinkindes werden vorgestellt und im Hinblick auf den Gestaltansatz reflektiert.

Vortragende(r): Beate Rabe

Dr. Ruth Tesmar studierte Kunstpädagogik und Geschichte an der HU Berlin und nach ihrer Promotion Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sie war bis zu Ihrer Emeritierung 2016 Professorin für künstlerisch ästhetische Praxis an der Humboldt Universität Berlin und Leiterin des Menzeldaches.

Das Menzeldach knüpfte an die alte Tradition der Humboldt Universität Berlin (damals noch Friedrich-Wilhelms-Universität) von 1911 an. Damals leistete sich die Universität einen Zeichenmeister, der für alle Studienrichtungen Aktzeichnen anbot.
Ruth Tesmar knüpfte nach der Wende mit ihrer Professur an diese Tradition an Breit aufgestellt in allen graphischen Techniken, selber als Künstlerin tätig, vielfach ausgezeichnet für Ihre Buchillustrationen, mit ihren Werken und Objekten in zahlreichen Sammlungen im In- und Ausland vertreten, machte sie das Menzeldach zu einem Ort, „wo sich Intellekt und Sinnlichkeit trafen, wo Lufterwärmung und Angstreduzierung zusammenkamen,“ wie Ruth Tesmar es selber beschreibt.
Als Gestalttherapeutin ist „einen Ausdruck finden, „für das, was ist“ elementar wichtig in meiner Arbeit. So war es folgerichtig, dass ich mich zuhause fühlte, als ich das erste Mal Ruth Tesmar im Menzeldach der Humboldt Universität Berlin begegnete:
Ein verwunschener Ort, nahe Unter den Linden, mitten in Berlin, im Dach der Humboldtuniversität, 1000 verwinkelte qm voll mit Schätzen, alten Druckmaschinen, Druckerpressen, Büchern, Bildern, Noten, Briefen, einer Ritterrüstung, Objekten, Dingen, die andere Menschen nicht mehr brauchten und die von Ruth Tesmar bewahrt und verarbeitet wurden.
Auch hier fand ich wesentliches meiner Gestalthaltung: „erforschen, was da ist, es neu beleuchten, in einen anderen Kontext bringen.
“Ausrangierte Schätze jeglicher Art werden wahrgenommen, bekommen einen Platz, bis sie neue Beziehungen eingehen, in einem neuen Kontext anders aussehen und damit etwas ganz Neues entsteht. Lustvoll, spielerisch, ernsthaft und vor allem gekonnt. Einen Ausdruck finden, den Dingen Bedeutung geben, etwas Neues schaffen...in großen und in ganz kleinen Linien.

Das Menzeldach gibt es seit Ruth Tesmars Emeritierung nicht mehr. Viele ihrer Schätze Assemblagen, Bilder, Objekte werden jetzt in einer großen Werkschau an ihrem Wohnort im Schleswig Holstein Haus in Schwerin gezeigt. Ruth Tesmar wird eine Führung mit uns machen, und da sie nicht nur eine bildende, sondern auch eine Künstlerin der Präsentation und der Sprache ist, Worte – Bilder – Bildworte: Das ist die Formel für ihr künstlerisches Schaffen, ist alleine das schon eine sinnliche Erfahrung, zu der Ihr herzlich eingeladen seid.
Veronica Klingemann

https://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Tesmarwww.tagesspiegel.de › Kultur
http://www.zeit.de/2009/51/C-Wissenschaftlicher-Aktzeichenkurs
www.ostsee-zeitung.de › Extra › Kunstbörse
https://www.berliner-zeitung.de/die-gestalten-von-christa-wolf-werden-be...

Freitag, den 11. Mai 2018, 19.15 Uhr, im Schleswig-Holstein-Haus, Schwerin
Treffpunkt um 19.00 Uhr im Foyer der IHK
Führung zum Ausstellungsort: Veronica Klingemann

Das Eintrittsgeld von € 2,-- pro Person wird vor Ort eingesammelt.

In der Schweriner Altstadt - 1 km, ca., 13 Minuten Fußweg vom Tagungsort entfernt

https://www.schwerin.de/kultur-tourismus/kunst-kultur/bildende-kunst-mus...

Vortragende(r): Dr. Ruth Tesmar

Spaltung – das Titelthema der Tagung – durchdringt auch die beiden Werke, die ich mit vielen Tonbeispielen vorstellen möchte: In Friedrich Schillers faszinierendem Drama „Don Carlos“ geht es um den Freiheitskampf der Niederländer gegen die Spanier und um einen tragischen Vater-Sohn-Konflikt am Hofe Philipps II. (1556-1598). Beide Themen waren wie geschaffen für Giuseppe Verdi, der auf Schillers Text eine seiner schönsten und ergreifendsten Opern komponierte.

Vortragende(r): Dr. Bettina Gößling

Samstag

Langsam im eigenen Körper ankommen, spüren, lauschen und sich öffnen für die Musik - miteinander tanzend den Tag beginnen.

Vortragende(r): Dorothea Helmbrecht, Günter Reif

Albrecht Boeckh, Dorothea Bünemann et al. laden dazu ein, Lieder und Songs sozialkritischen und politischen Inhalts zu hören und mitzusingen.

Vortragende(r): Dr. rer. soc. Albrecht Boeckh, Dorothea Bünemann

Die Digitalisierung als aktuelle technologische Kern-Entwicklung verändert bereits jetzt in einem wesentlichen Maße die gesellschaftliche Verfasstheit und in der Folge auch das Leben der Menschen. Der szenische Vortrag stellt in einem historischen Über- und Ausblick diese Veränderung dar und diskutiert die Konsequenzen auf das Subjekt und die Beratung/ Therapie. Schließlich werden mögliche Anforderungen für die Gestalttherapie/ -Beratung entwickelt.

Vortragende(r): Oliver Baiocco , Heinz Brasch

Zunehmende Diversifizierung und Individualisierung fordern die persönliche Kompetenz heraus, einen unabdingbaren Blick für das Ganze zu finden, der verantwortliches Handeln überhaupt erst möglich macht. Und daraus verantwortbare Handlungsmaximen zu entwickeln. Für diese Orientierung unterstelle ich Zusammenhänge zwischen dem Kleinen und Großen. Sie zu suchen und zu finden könnte ein Weg sein, den Herausforderungen des Lebens verantwortlich zu begegnen, statt sich in Fluchten selbst vorbehaltener „Spielräume“ oder Ideologien zu verlieren. Aus einer solchen Gesamtschau könnten sich Lebenssinn und –ziel bilden, die für die seelische und körperliche Gesundheit unerlässlich sind.

Vortragende(r): Martin Patzelt

Sowohl in Psychotherapie und Gesellschaft findet eine Hinwendung zum relational turn statt. Beziehungen geraten wieder als wechselseitige in den Blick. Bedeutsam ist das für Konflikte in Familien und Partnerschaften. Vor allem, wenn Gewalt in physische Handlungen und Dynamiken von Liebesentzug umschlägt. Relationales Verstehen macht den Verzicht auf polarisierende Erklärungen möglich und ruft zum Widerstand gegen Gegenläufiges auf. Der relational turn in Psychotherapien ist zugleich das Modell für Gesellschaften mit hohem Konfliktpotential und demokratischen Ansprüchen.

Vortragende(r): Gerhard Amendt

Die Arbeit mit Flüchtlingen ist eine besondere Herausforderung für BeraterInnen und TherapeutInnen. Und sie birgt Risiken, sich zu verstricken. Die Klienten haben nicht nur ihre Heimat und damit ihr soziales Umfeld verloren, sondern oft auch einschneidende Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Darüber hinaus ist meist völlig unklar, ob sie dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen. Diese auf mehreren Ebenen existentielle Not überträgt sich auf die Helfer und kann auch sie in Not bringen. Ein Fallbeispiel.

Vortragende(r): Ulrich Trebbin

Deutschland hat im Jahr 2015 eine nie gekannte Zuwanderung erlebt. Der anfänglichen Willkommensbereitschaft folgten bald auch Zweifel an der Integrationsbereitschaft der Aufnahmegesellschaft und der Zuwanderer. Die Silvesternacht in Köln, die Attentate von Paris, Brüssel und andernorts haben erhebliches Misstrauen gegenüber Flüchtlingen geschürt. Der Beitrag geht auf die absolute und relative Zahl deutscher und nichtdeutscher Tatverdächtiger im Hellfeld aber auch die Viktimisierungserfahrungen von Flüchtlingen im Dunkelfeld ein und diskutiert die Ursachen irrationaler Kriminalitätsängste.

Vortragende(r): Prof. Dr. Thomas Bliesener

Polarisierungen – gewaltige Dynamiken – Konflikte zwischen Frauen & Männer in Familien sind seit je her ein Spiegel sozialpsychologischer/politischer Prozesse.

Die Wucht dieser Konflikte bei Trennung zwischen Ex-Partnern nimmt zu und belasten Kinder und Andere. Welche Antworten und Haltungen können Gestalt & Mediation in Blick auf neue Lösungen geben? Was bietet die Kombination für neue Perspektiven auch für uns professionell Beteiligte? Impulse, Praxisbeispiele, Diskussion.

Vortragende(r): Wolfgang Braukmann

Heutige Lebensbedingungen befördern einen egozentrischen, auf Sofort-Verwertung angelegten Lebensstil. Dies kollidiert mit den analogen Bedingungen der Liebe. In der Regel führt diese Diskrepanz zu halbherzigen Einlassungen. Eine erfüllende Liebesbeziehung erfordert aber eine Hingabe, die jenseits der Vorstellung beginnt, der Andere müsse reibungslos in meinen Alltag passen.

Der Vortrag erläutert Gründe für diese Kollision und verweist auf besondere innere und äußere Konfliktszenarien. Welche Optionen hat die Paarberatung und welche Grenzen gilt es zu beachten? Das Thema wird an Fallbeispielen illustriert.

Vortragende(r): Detlef Klöckner

Angst vor Fremden tritt auf dem Höhepunkt der Bindungsentwicklung in Erscheinung. Wenn Bezugspersonen Sicherheit geben, gelingt es, diese Ängste aufzulösen. Neugier als Kerngröße gestalttherapeutischer Entwicklungspsychologie tritt dann in den Vordergrund. Meine Arbeit mit fremdenfeindlichen Patienten zeigt Zusammenhänge von Bindungsunsicherheit und Anfälligkeit für massenpsychologische Sicherheitsdemonstrationen. Die kollektiven Abgrenzungsrituale gegenüber Fremdem können durch eine spezifische Therapie entkräftet werden.

Vortragende(r): Dr. Dipl.-Psych. Wolfgang Wirth

Vollkommen emotionslose, rein sachliche Politik ist wohl immer nur eine – womöglich nicht einmal wünschenswerte – Illusion. Dennoch hat sich augenscheinlich etwas verändert in den politischen Verhältnissen der Gegenwart: Wo eben noch Politikverdrossenheit beklagt wurde, grassiert nun Polarisierung – und kreist die Debatte um „Angst“, „Hass“„Wut“ oder die „Romantik“ von „Gutmenschen“. Um das zu durchdringen, ist zu fragen: Welche Rolle spielen Gefühle (immer schon) im Politischen? Was hat sie in den Vordergrund rücken lassen? Und wie ist dies zu bewerten: Haben Gefühle die Fakten verdrängt?

Vortragende(r): Benjamin C. Seyd

Wenn wir dieser Tage Nachrichten über die Digitalisierung lesen, könnte man meinen, dass der Drops gelutscht ist. Vom inhaltlich gestalteten Beilagenheft von Google bis zum Artikel über den computergesteuerten intelligenten Supermarkt erhält die Digitalisierung den Ritterschlag der Normalität. Ziel unseres Vortrages ist es zu zeigen, dass Digitalisierung, so fremd uns deren maschinelle Repräsentanz erscheinen mag, Menschenwerk ist und bleibt. Vielmehr zeigen sich in der Entwicklung, Faszination und Ablehnung von Digitalisierung Wesenselemente des Menschlichen.

Vortragende(r): Ulrike Timmler, Ralph Müller

Kurt Lewins Studien zur Minderheitenproblematik und Demokratisierung von Nachkriegs-Deutschland besitzen nach wie vor hohe Aktualität. Im Vortrag stellen wir seine feldtheoretischen Analysen und Handlungsempfehlungen vor, ziehen Parallelen zu aktuellen Problemlagen in der Europäischen Union und diskutieren daraus resultierende Handlungsansätze.

Im anschließenden Workshop werden Fragestellungen der Teilnehmenden aus deren eigener Praxis in Beratung, Leitung von Gruppen oder Aktivitäten im politischen oder vorpolitischen Raum feldtheoretisch bearbeitet.

Vortragende(r): Monika Stützle-Hebel , Klaus Antons

Moderation:
Hella Gephart und Martin Schaab

Ziel des World Cafés ist es, eine Möglichkeit zu bieten, die Vielzahl der Eindrücke während der Tagung auszutauschen und dadurch zu ordnen und zu bewerten. Sie werden in dieser Veranstaltung dazu eingeladen, sich mit dem Thema „Welche Aspekte der Tagung haben mich besonders beschäftigt? Welche Konsequenzen sehe ich für mich bzw. die Gestalttherapie?“ zu beschäftigen.

Sie haben die Möglichkeit, sich zwei Aspekten aus dem Themenspektrum der Tagung zuzuwenden und mit den anderen TeilnehmerInnen zu diskutieren. Danach tauschen sich die Beteiligten über ihre Resonanzen, Gefühle, Reaktionen und Gedanken im Plenum aus.

Digitalisierung und die Folgen für die Kommunikation unter Menschen und die gesellschaftlichen Implikationen
Wachsende Gewalt? Andere Formen der Gewalt? Brutalisierung von Angriffen? Anonymisierung von Gewalt? Terrorismus?
Integration vs. Assimilation des Fremden – der Fremden in unsere Gesellschaft
• Die Spaltung in Arm und Reich – sind wir auf dem Weg in eine „ungerechte“ Gesellschaft?
• Die Emotionalisierung in der Politik – das „Postfaktische“ und welche Bedeutung hat es?
• Das verdrängte Erbe des Nationalsozialismus – eine Grundlage für rechte Gruppierungen und den Fundamentalismus

Vortragende(r): Dr. Hella Gephart, Martin Schaab

Wir haben verlernt, uns als Teil des großen lebendigen Ganzen zu sehen – und uns damit an den Rand des Ruins getrieben. Wie können wir die für die Heilung unseres Planeten so nötige Wieder-Verbindung unterstützen, uns der Kostbarkeit des Lebens und aller Schöpfung er-innern sowie die eigene Betroffenheit angesichts deren Bedrohtheit / Zerstörung zulassen, ohne verrückt zu werden?

Die Tiefenökologin J. Macy schuf eine Form von gestalttherapeutisch anmutenden (!) Gruppenprozessen, durch die Menschen ermutigt werden, sich gemeinsam der heutigen Realität zu stellen und entsprechend zu handeln – für eine langfristig lebenserhaltende Gesellschaft.

Vortragende(r): Dr. Rotraud Kerner

Wieviel Individualität darf ich zeigen, was darf ich der Umwelt zumuten, ohne meine Zugehörigkeit zu gefährden? Diese immerwährende Frage um Bindung & Autonomie ist Gegenstand der Selbsterfahrung in diesem Workshop. Es geht auch um die Wahrnehmung, wie Werte und Normen im Allgemeinen und im Mikrokosmos dieses Workshops den Einzelnen beeinflussen und umgekehrt. Die Gestalttherapie ist hierbei keineswegs wertfrei. Zur individuellen Selbstverwirklichung setzt sie auf gegenseitige Unterstützung bei der Potenzialentwicklung statt auf Ausbeutung anderer Menschen und der Natur.

Vortragende(r): Rolf Heinzmann

Unsere Eltern, sogenannte Kriegskinder, haben ihr Leben nach dem 2. Weltkrieg mehrheitlich mittels Verdrängung des Erlebten gestaltet. Von sogenannten Kriegsenkeln erfahren wir, dass was den Eltern überleben half, deren Kindern selten gut tat, sondern diese ihrerseits traumatisierte. Können wir aus diesen Erfahrungen Hilfreiches ziehen für die Unterstützung von zu uns geflüchteten Menschen? Für meinen Input schöpfe ich aus der Arbeit mit geflüchteten Frauen und mit KriegsenkelInnen und hoffe auf inspirierenden Austausch mit KollegInnen.

Vortragende(r): Dipl.-Ing. Luitgard Gasser

Traumatische Erfahrungen sind tief in unserem Gehirn verankert. Für Psychotherapie sind sie deshalb nur schwer erreichbar. Mit ROMPC können Therapeuten die Historie traumatischer Gefühle kinesiologisch lokalisieren und anschließend die Trigger durch Klopfen von Meridianpunkten entkoppeln. Das bietet meist sofortige Entlastung und löst langfristig traumatische Blockaden im limbischen System des Gehirns. Von der Methode profitieren auch nicht-traumatisierte Klienten, weil sie z.B. Introjekte oder alte Verletzungen auflösen hilft.

Vortragende(r): Ulrich Trebbin

Wie kann ich meine Perspektive auf politische Verhältnisse prägnant mit Worten fassen? Wie kann ich meine eigenen Erlebnisse in einer politisch bedeutsamen Situation verständlich und nachvollziehbar beschreiben? In diesem Workshop werden wir erzählend und schreibend Möglichkeiten erkunden, wie wir uns zumindest ansatzweise einmischen, uns solidarisch zeigen und unsere Stimme erheben. Die Workshopleiterin wird erzählen, wie das fremd Sein und ein familiärer Verlust sie dazu motiviert haben, einen persönlichen und politischen Roman zu schreiben.

Vortragende(r): Dr. Nancy Amendt-Lyon

Contactimprovisation (C.I.) ist ein Tanzformat aus den 70ern, eine rebellische Absage an bisherige Tanz-Traditionen und –rollen. Es wird ein neues Verständnis von Tanz dagegen gesetzt: zwei, drei und mehr achtsam forschende, experimentierende Tänzer gestalten absichtslos spontan hier und jetzt Körperkontakt in gemeinsamer Bewegung. Wie sieht das aus? - C.I. ist auch sinnliches Erleben gestalttherapeutischer Prinzipien. Dies wollen wir nachvollziehbar machen. Und schließlich bietet C.I. ein Bündel politischer Kompetenzen für eine berührbare Welt ... Bitte tanzbare Kleidung anziehen.

Vortragende(r): Jürgen Kendziora, Jutta Kuhlmann

Gestalttherapie ist wesentlich anarchistisch. Ich möchte mit euch gemeinsam das gesellschaftliche und individuelle Veränderungspotential ausleuchten, das sie dadurch entfaltet. Was sind die Einwirkungen der komplex verflochtenen gesellschaftlichen Herausforderungen (welcher?) unserer (wessen?) Zeit auf den einzelnen Menschen, der wir sind und der unsere Klient*innen sind? Und was bedeutet das für meine therapeutische Arbeit? Die Näherung an diese Fragen möchte ich uns erleichtern, indem ich auch Werke der Dichtkunst und der bildenden Kunst sprechen lasse.

Vortragende(r): Inge Kölle

Aus meiner eigenen politischen Arbeit weiß ich, wie wichtig die Beachtung des Leibes in der politischen Arbeit ist. Aus dem dem salutogenetischen/leib-gestaltigen Repertoire möchte ich Hilfen anbieten. Leibarbeit im Sinne innerer Friedensarbeit.

Vortragende(r): Elisabeth Schlageter

Wir nutzen die neuen Medien zur Kommunikation. E-Mail, Einkauf via Internet, Partnersuche durch Internetportale, soziale Medien wie Twitter, WhatsApp, Facebook, Instagram mit ihren Nutzermerkmalen, verändern unsere Kontaktgewohnheiten. Ich möchte die veränderten Besonderheiten dieser Kommunikation unter den Aspekten des Kontaktzyklus betrachten und kleine Experimente analog nachstellen.
Dauer: 2 mal 45 Minuten

Vortragende(r): Sabine Altenkirch

Österreich hat die Auseinandersetzung mit der eigenen aktiven Rolle in der Zeit des Faschismus lange gescheut, man hat sich bis 1993 als Opfer der deutschen Besetzung gesehen. In der Schweiz hat man sich lange die Hände in Unschuld gewaschen trotz Kooperation und Geschäften mit NS-Deutschland.

Wie betrifft uns das als Nachfolgegeneration? Wie können wir Handlungsmöglichkeiten in unserem je eigenen Umfeld entwickeln und welche Auswirkungen haben diese in unserem Feld?

Wir wollen anhand von Beispielen die Auswirkungen des Faschismus 2 Generationen später beleuchten und zum Austausch anregen.

Vortragende(r): Mag. Beatrix Wimmer, Dr. Dieter Bongers

Mit Übungen wollen wir unserer Xenophobie auf die Spur kommen: dem schnellen Impuls, Unbekanntes, Fremdes als gefährlich oder schlecht abzuwerten. Diese Weg-Drängung des Neuen/Anderen diskriminiert ja nicht nur Menschen, Ideen, sie verhindert auch seelisches Wachstum.

Die Gestalt hat uns wirksame Werkzeuge gegeben, wie wir Projektionen auflösen und fruchtbar nutzen können, eigene Schattenanteile integrieren und darüber den Unterschied zu/m anderen schätzen statt fürchten lernen. Wie wäre es also, den eigenen inneren Fremden kennen zu lernen, den eigenen inneren Flüchtling zu versorgen – auch als praktische Übung für unsere aktuelle soziale Verantwortung? Kunsttherapie läßt daraus eine sinnliche, therapeutisch transparente Erfahrung werden.

Vortragende(r): Ellen Tarnow, Christopher Tarnow

Kurt Lewins Studien zur Minderheitenproblematik und Demokratisierung von Nachkriegs-Deutschland besitzen nach wie vor hohe Aktualität. Im Vortrag stellen wir seine feldtheoretischen Analysen und Handlungsempfehlungen vor, ziehen Parallelen zu aktuellen Problemlagen in der Europäischen Union und diskutieren daraus resultierende Handlungsansätze.

Im anschließenden Workshop werden Fragestellungen der Teilnehmenden aus deren eigener Praxis in Beratung, Leitung von Gruppen oder Aktivitäten im politischen oder vorpolitischen Raum feldtheoretisch bearbeitet.

Vortragende(r): Monika Stützle-Hebel , Klaus Antons

Sonntag

Langsam im eigenen Körper ankommen, spüren, lauschen und sich öffnen für die Musik - miteinander tanzend den Tag beginnen.

Vortragende(r): Dorothea Helmbrecht, Günter Reif

Nancy Amendt-Lyon liest aus ihrem Roman "Und niemals ein Ende", der sich unter anderem mit der Tradierung von nationalsozialistischem Gedankengut beschäftigt.Anschließend präsentiert sie die deutsche Ausgabe von "Zeitlose Erfahrung. Laura Perls' unveröffentlichte Notizbücher und literarische Texte 1946-1985" (Gießen: Psychosozial-Verlag, 2017).

Vortragende(r): Dr. Nancy Amendt-Lyon

Erzeugt die übliche Darstellung von Krieg als „normales“ staatliches Vorgehen und die Kooperation mit Waffenerzeugern und -händlern eine Irritation der öffentlichen Wahrnehmung des Krieges als humaner Skandal? Wird so die Bildung einer prägnanten Gestalt und das Verständnis von Zusammenhängen etwa mit der Ökonomie verhindert? Und damit ein stärkerer Widerstand der Bevölkerung, als das heute der Fall ist? Welche gestalttheoretischen und -therapeutischen Ansätze könnten zur Klärung beitragen?

Vortragende(r): Kathleen Höll, M.A.

Wir Referent*innen erleben in unserem beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld zunehmend, dass Prozesse vermieden werden und welche Auswirkungen das hat.

Was passiert, wenn Prozesse nicht stattfinden?

Was bietet Gestalt für Möglichkeiten, mit Spaltungsprozessen umzugehen?

Sind wir uns als GestalttherapeutInnen (kontakt- und experimentierfreudig, prozessorientiert) wirklich der Kraft von Prozessen in einem prozessfeindlichen Umfeld bewusst?

In unserem Workshop laden wir dazu ein, das „Abenteuer Prozess“ in den Vordergrund zu holen, zu experimentieren und die „Wirkung von Prozessen“ zu beleuchten, wenn wir mit Spaltungen konfrontiert sind.

Vortragende(r): Veronica Klingemann, Peter Leinen-Frech, Dr. Christiane Molkenbuhr

Im Anschluss an meinen Beitrag in GESTALTTHERAPIE 2/2016 bietet sich hier eine Gelegenheit, die eigene Position im Kontakt mit Migrant*innen besser kennenzulernen, zu hinterfragen und dem Unwohlsein bzw. den Zweifeln nachzugehen, die im Kontext von Migration undFlüchtlingspolitik aufscheinen. In einem nationalstaatlich, kapitalistisch und paternalistisch strukturierten Umfeld permanenter Privilegiertheit und Überlegenheit ist es alles andere als selbstverständlich, Migrant*innen ehrlich, offen, respektvoll und solidarisch zu begegnen. Und es ist äußerst beanspruchend, die gewohnten Perspektiven zu hinterfragen, zu hinterleben oder gar aufzugeben.

Vortragende(r): Marc Oestreicher (1961)

Das Eigene und das Fremde sind Begriffe, die aus verschiedenen Beobachterperspektiven um Integration und Assimilation von Migranten in die (hier deutsche) Gesellschaft problematisiert werden. Eine Engführung, denn die Grenzerfahrung von Eigen und Fremd findet in der Begegnung von Ich und Anderen statt, egal woher diese Anderen kommen. Nach Laura Perls erfordert es ein spezifisches Bewusstsein im Kontakt um die Anerkennung des Andersseins und Unterschiedlichkeit. Mit diesen Aspekten und deren individuellen Bedeutung werden wir uns experimentell beschäftigen.

Vortragende(r): Martin Schaab

Wenn wir auf den Anderen schauen, ist unser Blick oft nur vermeintlich von uns abgewendet. Welche (eigenen und therapeutischen) Haltungen sind hilfreich, um den Prozess zwischen Ich und Du zu ermöglichen? Anhand von Theorie, kurzen Selbsterfahrungssequenzen und Fallbeispielen aus der Praxis werden wir diesen Fragen nachgehen.

Vortragende(r): Dr. med. univ. Nursan Ilkay

Der körpertherapeutische Ansatz von Pesso arbeitet frühe Kontaktthemen fokussiert heraus. Traumaforscher van der Kolk schreibt dazu: „Der Beitrag Pessos ist es, zu zeigen, wie wir neue Erinnerungen aufbauen können, die das Gefühl enthalten, von unseren Eltern geliebt zu werden, wo zuvor Mangel und Vernachlässigung herrschte, sowie eine Stimme zu erhalten, wo wir zuvor zum Schweigen gebracht wurden“. Der Ansatz fand friedenspolitische Anwendung in der Demokratischen Republik Kongo, um Kindersoldaten zu heilen.

Vortragende(r): Dr. Dipl.-Psych. Wolfgang Wirth

Wie kann es gelingen, - halbblind und selbst daran beteiligt- zerstörerische gesellschaftliche Spaltungsprozesse wahrzunehmen und tatkräftig zu beenden? Wie verhalten wir uns verantwortungsvoll - auch beruflich - für die Gesundheit der Menschen und das Überleben der Menschheit?

Spielerisch inszeniert - nach Motiven aus Michael Endes Märchenroman „Die unendliche Geschichte“– reflektieren wir unsere Erfahrungen der Tagung und andere brisante Menschheitsfragen. Das Spüren unseres tiefen Lebenswillens führt uns zu einer uralten Kompetenz: Zukunftsfähigkeit - für das Leben, das wir wirklich wollen.

Moderation: Gerda Schlosser-Doliwa u.a.

Vortragende(r): Gerda Schlosser-Doliwa